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Hotfilter

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Schau, wie die glänzen. Die Außenhaut glatt und ohne Falten. Bohne für Bohne mit schöner heller geschwungener Naht. Eine perfekte Röstung. Als goldbrauner Schwall rauschen die dicken „Maragogype“-Bohnen rauaus der Trommelröstmaschine auf den Drehteller der Kühlsiebanlage. Und dieser Duft – kein Vergleich mit dem Zischen beim Aufreißen einer Vakuumtüte. Ja, so muss röstfrischer Kaffee riechen.

„Die mexikanische Maragogype ist eine echte Rarität auf dem Weltmarkt“, schwärmt Gert Schade. Die Riesenbohne aus dem mexikanischen Hochland – im gerösteten Zustand immer noch bis zu 24 Millimeter lang und damit 30 bis 40 Prozent größer als eine normale Arabica-Bohne – ist selten und teuer. Kaffee-Genießer lieben sie als besonders mild, säurearm und magenschonend.

Gert Schade liebt sie auch. Denn er hat sich mit Leib und Seele dem Kaffee verschrieben. Seit 18 Jahren steht der Selfmade-Mann als Röstmeister an der altmodischen „Probat“-Trommelröstmaschine des Nordhorner Kaffeerösters Hotfilter. „Die ist Baujahr 1965 und super, die würde ich nicht gegen eine moderne Maschine eintauschen“, sagt Schade.

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Kaffee aus Nordhorn? Ja, den gibt es immer noch. Und er ist als regionales, fair gehandeltes Produkt gerade wieder stark im Trend. Schon 1929 hat Wilhelm Hotfilter in Nordhorn damit begonnen, Kaffeebohnen zu hochfeinen Kaffeemischungen zu rösten. Bis heute sind seine Mischungs- und Röstrezepte die Basis des Hotfilter-Kaffees. Das Familienunternehmen aber existiert nicht mehr. Es geriet 2015 in wirtschaftliche Turbulenzen und wurde 2016 von der Osnabrücker Ost & Koch-Beteiligungsgesellschaft übernommen. Die will die Nordhorner Kafferösttradition erhalten und führt das Unternehmen seitdem unter gleichem Namen weiter. Geschäftsführer Michael Koch will „die Kernkompetenzen dieses bekannten Traditionshauses gezielt weiter ausbauen“.

Die wohl wichtigste Kernkompetenz ist Gert Schade. Er ist bei der neuen „O. K. Hotfilter GmbH“ Einkäufer und Vertriebsleiter, Personalchef und Produktionsleiter in einer Person – und in erster Linie natürlich Röstmeister. Zwei- bis dreimal die Woche steht der 51-Jährige an der Trommelröstmaschine und röstet nach den alten Rezepten von „Opa Hotfilter“ Kaffeesorten mit klangvollen Namen wie „Spitze“, „Cuba Serrano“, „Blue Kenya Blend“ oder „Edel Hochland“.

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„Ich muss die Maschine erst vorheizen“, versucht Schade über das laute Surren und Klackern des Absauggebläses hinweg zu erklären. Unter der Trommel hat er drei Gasbrenner gezündet, sie bringen die Trommel auf rund 200 Grad. Dann ein Griff am Stellhebel und aus dem Mischsilo rauschen 45 Kilogramm grüngelbe Rohbohnen in die Rösttrommel.

„So ein Röstvorgang ist einfach herrlich“, weiß auch Geschäftsführer Michael Koch. Er sieht am Markt einen „starken Trend zurück zur Qualität“. Deshalb seien kleine regionale Kaffeeröster im Aufwind. Viele setzen auf höchste Qualität und sind deshalb – wie auch Hotfilter – Mitglied der „Deutschen Röstergilde“. Die bürgt für guten Kaffee in handwerklicher Qualität aus fair gehandelten Rohstoffen.

Der Röstvorgang dauert rund acht bis 12 Minuten und ist reine Gefühlssache. Immer wieder nimmt Gert Schade mit dem Probennehmer ein paar Bohnen aus der rotierenden Trommel. Nach wenigen Minuten beginnen die Bohnen sich zu verfärben – erst ganz allmählich von grüngelb über khakigelb in Richtung hellbraun. Beinahe wie Erdnüsse sehen sie nun aus – und so ähnlich riecht es auch gerade. Nach gut sechs Minuten kann, wer ganz genau hinhört, durch das Getöse der Maschine die ersten Knackgeräusche wahrnehmen. „Jetzt gehen die Bohnen auf“, erklärt Schade.

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Und dann kommt es auf die Sekunde an. Auf dem Drehsieb vor der Rösttrommel hat Gert Schade ein Pfund fertig gerösteten „Maragogype“-Kaffee ausgebreitet. Als Vergleichsprobe. So soll er also mal aussehen – der Kaffee, der gerade im Trommelröster „in der Mache“ ist. Wieder zieht Gert Schade eine Probe und vergleicht die Farbe mit dem ausgebreiteten Fertigprodukt. Und noch eine und noch eine dritte. „Jetzt. Achtung. Ich öffne die Klappe, jetzt kommen heiße Kaffeebohnen heraus.“

Es rauscht und duftet – und da sind sie: ergießen sich in goldbraunem Schwall aufs Drehsieb. „Wir rösten unseren Kaffee sehr schonend, 45 Kilo etwa zehn Minuten lang“, so Schade. „Bei den Großproduzenten werden 600 Kilo in zwei Minuten fertig geröstet.“ Dass das weniger schonend ist als das „händische Röstverfahren“, liegt auf der Hand: Beim langsamen Rösten werden den Kaffeebohnen mehr Säurestoffe entzogen – und Flüssigkeit. Von den 45 Kilo Rohbohnen bleiben 38 Kilo Fertigröstung übrig.

Mit stolzer Stimme erklärt Gert Schade, dass genau diese 38 Kilo Fertigröstung auch in die Tüte kommen. „Bei uns ist 100 Prozent Kaffee im Kaffe. Denn auch beim Abkühlen der Bohnen setzt er auf handwerkliche Qualität. Bei Hotfilter wird ausschließlich mit Luft gekühlt, die von unten durch das Drehsieb geblasen wird. Großröster hingegen kühlen die heißen Bohnen mit einem Wassernebel ab. Das geht schneller, lässt die Bohnen aber auch Wasser „ziehen“ und macht sie schwerer.

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Die „neue“ Firma Hotfilter verkauft ihren Kaffee in den eigenen Filialen, aber auch an immer mehr gewerbliche Abnehmer in der Region und über einen eigenen Online-Shop zunehmend auch im Internet. Bäckereien und Behörden, aber auch öffentliche Einrichtungen von der Bibliothek bis zum Zoo beziehen ihren Kaffee von Hotfilter. Auf Preiskämpfe mit Discountern wollen die Hotfilter-Röster sich nicht einlassen. „Der Trend zu ,Geiz ist geil‘ ist vorbei“, sagt Gert Schade. „Viele Kunden wollen wieder Qualität und sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen.“ Unlängst wurde diese Kaffeequalität sogar zertifiziert. Das Magazin „Der Feinschmecker“ hat Hotfilter zu einer der besten Röstereien in Deutschland gekürt.

Mit dem Geschäftsverlauf sind wir ganz zufrieden“, sagt Geschäftsführer Michael Koch. Rund 22 Tonnen Kaffee hat Gert Schade im vergangenen Geschäftsjahr für Hotfilter geröstet, gut 3,5 Tonnen mehr als im Vorjahr. Sein Anspruch: „Ich will, dass die Kunden immer frischen Kaffee kriegen.“ Hotfilter sei und bleibe ein „Bedarfsröster“. Das Rösten großer Mengen auf Vorrat kommt für Schade nicht in Frage. Viel lieber röstet er weiterhin zwei-, dreimal pro Woche.

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